Gesunde Ernährung

Am Anfang war das… Versprechen, ich würde über alltägliche Probleme und Situation erzählen. Und es gibt wohl kein alltäglicheres Problem als die Ernährung! Ich möchte Ihnen eine (beinahe) wahre Geschichte, die ich vor fünfzehn Jahren darüber schrieb, nicht vorenthalten:

Es wird hart jenseits der Fünfzig, glauben Sie mir! Keine Widerrede, rüstige Altersgenossen, ja, ja, ich weiß! Wir sind die tollsten Hechte, die zärtlichsten Chaoten, die empfindsamsten Genießer, denn wir haben aus Fehlern gelernt, Erfahrungen gesammelt, Weisheit erlangt… aber alt sind wir nicht, noch nicht. Ist schon gut, okay! Doch was ist unser Geheimnis? Mal ganz davon abgesehen, dass jeder ein anderes hat.. Na? Na? Richtig! Die Ernährung!

Ich ernähre mich gesund. Einfach, nicht? Doch der Weg dahin war lang und gewunden. Es begann, als ich eines Tages das Gefühl hatte, nur noch aus Gebrechen zu bestehen. Ich war dick, krumm, grau, faltig, meine Gelenke knarrten wie eine alte Handkarre, ich hatte einen hohen Blutdruck, überall Schmerzen, Kreislauf- und Verdauungsprobleme, und meine Leberwerte… lassen wir das. Das Einzige, was mich noch zusammenhielt, war mein Selbstvertrauen, doch irgendwann nützte auch das nichts mehr. Mein Arzt meinte: „Sie ernähren sich nicht gesund, mein Bester. Vitamine, Eiweiß, Kohlenhydrate. Schon mal davon gehört?“

Bis dahin hatte ich mich ausschließlich für Geschmack und Menge der Ernährung interessiert. Doch ein Arzt ist bekanntlich eine Respektperson, und hin und wieder hat er sogar recht, wobei man das jeweils sorgsam erwägen muss… Nun gut. Jedenfalls begann ich, notgedrungen, mich für gesunde Ernährung zu interessieren. Als Erstes strich ich Süßigkeiten und Fett von meinem Speiseplan und begann, Kalorien zu zählen. Dann hörte ich etwas über Rohkost. Dies erwies sich als Sackgasse, weil ich von rohen Möhren und Kohlrabi noch mehr Hunger, Sodbrennen und schließlich Magengeschwüre bekam. Ich wollte schon aufgeben, doch dann schenkte man mir ein Buch über Vollkorn-Gerichte. Ich probierte sie aus. Jemand flüsterte mir etwas über Säuren und Basen. Eine Tante wäre mir zwar lieber gewesen, aber… Irgendwie begann ich mich wohler zu fühlen. War es Einbildung oder doch das Essen? Mein Arthritis bildete sich zurück und auch mein Kopf zitterte nicht mehr. Jetzt wurde ich wirklich neugierig. Ich begann mit der Atkins-Diät, bei der man nur noch tierische Produkte isst, brach aber ab, als ich vor Blähungen beinahe zu schweben begann. Besser bekam mir Trennkost, die eigentlich sehr einfach war: Man nehme das Frühstück und verteile es über den Tag. Morgens gab es Brot, vormittags Salami, mittags Butter, nachmittags Eier, und am Abend trennte sich meine Freundin von mir.

Nun wurde ich hemmungslos. Ich aß Meeresalgen, Schlüsselblumen von Bergwiesen, Regenwürmer und Schweinemilch-Produkte. Meine Gesundheit wurde strahlender, die Falten aus meinem Gesicht und Hintern verschwanden. Ich testete die legendäre chinesische Wong-Dong-Küche, probierte die Schrothkur und erfuhr, dass es für jede Blutgruppe eine spezielle Ernährung gab. Eine ätherische Dame, die vollständig in Sack und Lappen gekleidet war, verriet mir, dass Mais nur dann nach Dinkel schmeckt und wie Gerste wirkt, wenn er um Mitternacht geerntet wird, und schenkte mir das Rezept des geheimnisvollen Gebräus, mit dessen Hilfe Methusalem 956 Jahre alt wurde. Das trank ich dann doch nicht, denn ich wollte nicht alt, sondern jung werden!

Und ich wurde gesünder – und immer jünger! Insider empfahlen mir Löwenzahnsalat, Tamarinrinde und Einläufe mit Zitronensaft. Nach einem achtwöchigen Heilfasten erlitt ich zwar einen Schwächeanfall, aber ich bekam auch den Teint eines Jünglings. Meine Haare wurden immer voller und dunkler, und eines Tages fielen mir die Brusthaare (und nicht nur die…) aus! Ich fing an, meinen ohnehin schon unübertrefflich makrobiologischen Speiseplan nach den Mondphasen zu richten und trank nur noch Milch von trächtigen mongolischen Wildstuten. Ich begann zwar zu schrumpfen, fühlte mich aber so gigantisch dabei, dass ich weitermachte. Nach einer Kur mit pochierten Eukalyptusblättern (in Vollkorn-Hirsesauce) fielen meine Zähne aus, und an ihrer Stelle wuchsen perlweiße, zarte Zähnchen, die sich mit der Zunge wunderbar anfühlten. Ich probierte gedünstete Farnkräuter mit Heuschreckenschlegeln und ließ die Vitaminpillen weg. Davon bin ich so biegsam geworden, dass ich die Zehen mit den Fingern berühren konnte bei gestreckten Beinen, jawoll!! Und dabei habe ich den Kopf zwischen den Beinen durchgesteckt. Da konnte ich den eigenen Popo sehen. Ein großer Erfolg! Dann hörte ich von der Yoto-Wakamura-Diät aus Japan. Und probierte sie. Toll. Sehr toll. Bambusspitzen miet Futschiama-Schneken, fein. Superfein!! Dann kaupfte ich mir 1 gleinen Löfell… lecker, lecker, leckell… Alete… Hipp… tut dut, sehl duuut… papa… mama… dädädä…

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