Ich hasse es, morgens aufzustehen

Sssooo… nach meinem letzten, taufrischen Blogbeitrag hier wieder etwas aus der Mottenkiste, geschrieben im Jahr 2000. Weil ich jetzt in der Vorweihnachtszeit trotz meines fortgeschrittenen Alters fast jeden Tag arbeiten – und demzufolge früh aufstehen – muss, fiel mir der alte Artikel ein. Gleichzeitig erinnerte ich mich an ein Interview, das der US-Showmaster Dick Cavett Ende der 60-er mit Jimi Hendrix führte. Er fragte ihn, wie er wohl lebe, ob er auch wie jeder Normalbürger morgens aufstehe… „Yes, ich versuche, jeden Tag aufzustehen…“, antwortete Jimi mit mattem Lächeln… 

Ich hasse es, morgens aufzustehen.

Kennen Sie das? Der Wecker bimmelt, man öffnet mürrisch seine Augen. Es ist halb sieben. Draußen ist es noch fast dunkel, es schneit, das Schlafzimmer ist kalt. Widerwillig aufstehen, Kaffee machen, duschen, rasieren… furchtbar! Die Daunendecke und die Schaffell-Unterlage sind mollig warm, die Katze schnurrt. Ich wiiillll niiiicht!!! Hilfe…

Was tun? Wochenlang zerbrach ich mir den Kopf. Ich wollte, ich m u s s t e eine Lösung finden! Dann, wie ein Blitz, kam die Erleuchtung. Wenn ich einen Teil meiner Morgenpflichten schon am Abend davor machte, könnte ich vielleicht einige Minuten sparen! Aber welche?

Das Frühstück! Gedacht, getan. Ich schmierte mein Brot, packte es ein und tatsächlich, am nächsten Morgen konnte ich drei Minuten später aufstehen. Am Tag drauf gewann ich noch einmal drei Minuten, indem ich meinen Kaffee zubereitete und in eine Thermosflasche füllte. Der Geschmack war zwar etwas fad, aber drei Minuten!…

Was könnte ich noch tun? Ich hab’s! Ich rasierte mich gründlich am Abend, und siehe da, am Morgen hatte ich nur einen schwachen Flaum, den ich blitzschnell elektrisch nachzog – und gewann sage und schreibe fünf kostbare Minuten! Klasse, nicht? Meine Freundin murrte zwar, weil ich fortan nach ihr aufstehen konnte und somit ihren Kaffee nicht mehr machte (sie besteht auf frischen Kaffee), aber das war mir gleich. Jetzt wollte ich es wissen. Ich verzichtete auf die morgendliche Dusche und trug nur etwas Deo auf – fünf Minuten. Ich putzte meine Brille erst am Arbeitsplatz – eine Minute. Ich schlief in der Unterhose und im Unterhemd, die ich erst am Morgen anziehen wollte – eine Minute! Ich öffnete die Dose mit dem Katzenfutter schon am Abend – eine Minute!

Ich wurde immer besser. Meine Zähne putzte ich im Auto während der Fahrt – drei Minuten! Und so ging es weiter. Zum Schluss schlief ich vollständig angezogen, in Socken und Schuhen, mit einer Spezialmütze auf dem Kopf, um meine am Vortag sorgfältig gekämmten Haare nicht zu verlegen und war glücklich: ich brauchte erst um zwanzig vor acht aufzustehen!!!

Doch dann wurde es meiner Freundin irgendwann zu viel und sie warf mich hinaus. Ich war untröstlich, bis mir einfiel, dass ich auch dadurch noch einige Minuten sparen konnte. Seither lachen mich meine Arbeitskollegen aus, weil ich komplett angezogen, mit der Mütze auf dem Kopf im Auto in der Tiefgarage meines Arbeitsplatzes schlafe, neben mir das Frühstück und die Thermosflasche. Aber was soll’s? Ich muss erst fünf vor acht aufstehen!

2000

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