Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Lang, lang ist’s her… Es tut mir leid, aber private Umstände zwangen mich, eine Pause zu machen, Krankheit in der Familie… ich möchte es nicht näher erörtern. Doch jede Ausnahmesituation wird zum Alltag, wenn sie lange genug dauert. So ist er da, mein neuer Beitrag im Blog. Zu Beginn, wie angekündigt, auch wenn es mit dem Thema nichts zu tun hat, ein Bild von meinen Katzen, über die ich in Bälde berichten werde, versprochen!

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Haha! Geiler Witz, ich lache mich tot!

Und nun zum eigentlichen Thema heute: Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

Eigentlich bin ich ein lebensfroher Mensch. Nur ist es sehr schwer, bei der deutschen Korrektheit, Betroffenheit und Heuchelei lebensfroh zu bleiben. Freundinnen und Freunde (unbedingte Korrektheit!!): wir sind schrecklich. Während wir uns noch mit zitternden Lippen und Krokodilstränen in den Augen darüber zanken, ob wir über Hitler Witze reißen dürfen, erzählt der Engländer gleich sieben davon und lacht sich tot. Die Amerikaner haben kurz nach 9/11 einen lustigen Kurzfilm gedreht, in dem arabische Hijacker im Cockpit darüber streiten, wie viele Jungfrauen sie im Jenseits tatsächlich bekommen würden, und sogar Bin Laden anrufen, um Genaues zu erfahren. Wäre das hier passiert, kann sich jeder ausmalen, welche Folgen es gehabt hätte…

Jedenfalls ertappe ich mich beim Hören der schlimmen, entsetzlichen und furchtbaren Nachrichten, dass meine beginnende Depression in den konkreten Wunsch, Harakiri (korrekt: Seppuku) zu begehen mündet. Und weil das sinnlos wäre, habe ich eine Strategie entwickelt: ich versuche, den ausdrücklichen Todeswunsch wegzulachen.
Ich weiß, dass man das nicht darf, weil die Betroffenen es einem übelnehmen würden. Und die Nichtbetroffenen erst recht, denn das ist Brauch hierzulande. Doch in Wirklichkeit gibt es ein einziges Mittel, das Unerträgliche zu überstehen: Humor. Denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Früher war das normal. Mitten in den Weltkriegen stolperten Dick und Doof, Buster Keaton und Charlie Chaplin urkomisch durch das Schlachtfeld, und die ganze Welt liebte sie. Mit der Mischung von Schadenfreude, Selbstironie und genialem Slapstick entlarvten sie mit jedem Schritt und jeder Geste die üblen Gesellschaften und die darin lebenden üblen Gesellen (und Gesellinnen, korrekterweise). Jetzt würde das Gleiche einen Sturm der Entrüstung nach sich ziehen. Selbst die nur allzu gerecht verteilten Watschen von Bud Spencer würden heute, 40 Jahre später, von Heerscharen der Betroffenen, davon Betroffenen und wiederum davon Betroffenen empörte Schreie auslösen, wetten?
Und das ist schade, sehr schade. Ich erinnere mich noch, als in den später 80-ern (nicht 80zig!!) die grüne Bewegung aufkam, gab der Fußballprofi Mehmet Scholl in einem Fernsehstudio folgenden, ironisch gemeinten Satz von sich:
„Hängt die Grünen – solange es noch Bäume gibt!“
Ein Aufschrei der Empörung ging durch die Republik. Der arme Scholl musste sich öffentlich entschuldigen für seine Entgleisung. Dabei konnte jedem, der nur ein bißchen Grips besaß, klar sein, dass der Satz satirisch gemeint war, und sich nicht gegen die Grünen richtete, sondern deren Gegner entlarvte. Aber das Klima in Deutschland ließ nicht einmal das zu. Und das in einem freien Land, einer Demokratie mit Denk- und Redefreiheit!

Wer meinen Blog kennt, weiß, dass ich anderswo aufgewachsen war. Und in jenem Land, das auch noch kommunistisch war, gingen wir ein bißchen anders mit diesem Thema um. Denn wir mussten viel ertragen, um Vieles kämpfen, manches durfte nicht gesagt oder nicht einmal gedacht werden. Und wir hatten einen permanenten Mangel an Gütern und deren Qualität (obwohl Letzteres auch hier, jetzt, immer mehr der Fall ist…). Was blieb uns übrig? Unser Humor. Wir machten uns lustig über all dies, mit einem subtilen, perfiden Humor, hinter dem wir traurige Wahrheiten so verstecken konnten, dass jeder sie verstand. Das fällt mir ein Beispiel ein: ein alter ungarischer Sketch, der den qualitativen Mangel vom Klopapier mit einem Flugzeugabsturz verglich.
Denn das Sinnbild dessen, dass im Kommunismus nichts funktionierte, war in den 60-ern (nicht 60ig, korrekt?!) bei dem ungarischen Volk die Tatsache, dass das Toilettenpapier made in Hungary überall riss, nur nicht dort, wo es gelocht wurde. Und dass es nur ein einziges Fernsehprogramm gab, in dem an Samstagabenden die besten Humoristen ihre Witze rissen. Die ganze Nation saß vor dem Bildschirm! Das muss man im Kopf behalten, will man den Sketch verstehen.
Irgendwann in dieser Zeit wurde Ungarn von einem schrecklichen Flugunglück heimgesucht: einer Passagiermaschine russischer Bauart war die Tragfläche abgebrochen und sie stürzte ab.
Am nächsten Samstag saß also ganz Ungarn vor der Glotze, und wartete auf das Kabarett. Der beliebte Komiker trat auf die Bühne, schwarz gekleidet, mit todernster Miene, und verkündete die bereits gekannte Nachricht:
„Meine Damen und Herren, wir alle wissen, dass sich vor einigen Tagen ein schreckliches Unglück ereignete.“
Das Publikum erstarrte. Das soll der Kabarettabend sein? Er fuhr fort:
„Wir verloren ein Passagierflugzeug, und darin 200 Menschen.“
Das Publikum trauerte.
„Die Maschine ist abgestürzt, weil eine Tragfläche abgerissen war.“
Todesstille.
„Dabei hätte man es vermeiden können.“
Atemlose Spannung.
„Man hätte die Tragfläche lediglich… lochen müssen!!“

Und das ganze Land explodierte vor Lachen. Wir lachten nicht die armen Opfer aus, sondern die Mangelzustände, den schlechten Qualitätsstandard – auch den der Russen, denn es war eine russische Maschine – also den ganzen elenden, beschissenen Kommunismus. Jeder wusste es, und niemand war beleidigt. Keiner kam auf die Idee, betroffen und empört aufzuschreien, denn die Umstände waren so, dass jeder wusste, Empörung und Betroffenheit haben mit Humor nicht das Geringste zu tun. Selbst im Dritten Reich gab es Humor. Hier bitte:

Hitler wird von seinem Chaffeur herumgefahren. Als sie durch ein Dorf kommen, überfahren sie ein Schwein. Hitler gibt dem Fahrer hundert Reichsmark: „Machhenn Ssie den Besitzerr aussfindig und entschädigenn den rrechtschaffenen Mann!“
Der Fahrer geht, und kommt nicht wieder. Hitler wartet… und wartet… und wartet. Endlich, nach zwei Stunden, kommt der Fahrer besoffen zurück.
„Wwo wwarrren Ssie sso lange??“
„Tschuldigung, mein Führrerrr, aber die wollten mich einfach nicht gehen lassen und gaben mir alles mögliche zum Trinken, klopften auf meine Schulter und küssten mich ab!“
„Wiesso, wwass haben Ssie gessagtt?“
„Ich sagte: Ich bin der Chaffeur vom Führer, und das Schwein ist tot.“

Das ist Humor. Denn Lachen kompensiert, befreit, nimmt die Spannung, macht das Unerträgliche erträglich. Humor darf alles. Vorausgesetzt, er ist gut. Denn wenn er schlecht ist, ist er tatsächlich beleidigend. Und ich bitte jetzt meine Leser, nicht in eine überkorrekte und übertolerante Diskussion zu verfallen über Gut und Schlecht (falls ich überhaupt so viele Leser habe…), denn darum geht es hier nicht. Für den Witz konnte man damals ins KZ kommen. Hier, jetzt, darf man alles sagen, alles denken. Doch was tun wir? Wir binden uns freiwillig einen Maulkorb um, und überlegen bei jedem Wort, wie wir darauf reagieren dürfen. Das ist keine Demokratie und keine Freiheit. Humor ist auch da, um derartige Gefühle, die selbstverständlich vollkommen überflüssig sind, zu kompensieren.

Tja, und so versuche ich, alles mit Humor zu sehen. Zum Beispiel die jüngsten Ereignisse, die eigentlich Empörung, Betroffenheit oder zumindest verständnisloses Staunen auslösen. Wie auch die eigentlich unerklärlichen Wendungen der USA-Außenpolitik. Während sie um jeden Preis die Konfrontation mit Russland sucht, ist sie dabei, sich mit Kuba auszusöhnen. Unerklärlich? Nicht doch! Die Lösung ist einfach: sie möchte Guantanamo erweitern.
Oder: wie ist es möglich, dass das Standardgewehr der Bundeswehr nicht richtig funktioniert? Bereits im Ersten Weltkrieg funktionierten die deutschen Gewehre unter allen Bedingungen so tadellos, dass sie weltweit verkauft und kopiert wurden. Und die deutschen Waffen des 2. Weltkrieges sind legendär. Zum Glück reichten sie nicht aus, den Krieg auch noch zu gewinnen. Made in Germany…
Warum also schießt das moderne, hochentwickelte Gewehr G36 daneben?
Weil Heckler & Koch schon in der Entwicklungsphase wusste, dass es letztendlich in der Hand der IS landen würde.

Und ganz zum Schluss etwas Hochaktuelles. Vor einigen Tagen stand tatsächlich Folgendes in der Zeitung:

25-jähriger stirbt bei Helene Fischer-Konzert.

Also, wenn der vorhin erwähnte ungarische Moderator die Musik der Fischer gekannt hätte… (Ausschreibung: Was hätte er gesagt? Die Einsender der drei besten Antworten werden zu einem PRIMESTONE-Konzert und einem Bier eingeladen!)

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? Ein Loch…

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Da kommt gar keine Maus raus…

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